21/02/18 Essstörung, Therapie

Im Moment bin ich froh, wenn ich überhaupt esse. Heute waren es knapp 900 Kalorien und ich bin echt an der obergrenze was Mengen und kaloriendichte angeht. An meinem essen war Butter. Jede Menge Butter. Aber generell ist es mehr das Modell irgendein snack irgendwann kurz bevor ich umfalle und jede Menge Wasser und Kaugummi.

Montag war wieder Therapie, ich war spät dran wie immer, alles war glatt und irgendwie hat es wenig spaß gemacht zu laufen. Aber fahren war keine Alternative obwohl ich genug Fahrten auf meinem Ticket gehabt hätte…
Beim reinkommen schaut sie schon besorgt, sie fragt welchen Tee ich möchte und während ich mich hinsetze dreht sich alles.
Wir reden darüber, dass ich mich nicht an letzte Woche erinnern kann. Abgesehen von der Farbe meiner Tasse und dem Fakt, dass ich da war. Ich weiß das ungefähre Thema, weil ich mit meinem Freund darüber gesprochen habe aber abgesehen davon? Nichts. Sie war leicht besorgt.

Wir haben also über meine Eltern geredet, darüber, dass die Beziehung wie ein gigantischer Misthaufen ist und man den entweder einfach so liegen lassen kann oder eben aufs Feld fahren und damit Düngen. Nur das letzteres halt anstrengender ist.
Irgendwann spreche ich dann mein Essverhalten an und sie erklärt mir Theorien. Eros und Thanatos. Natürlich hat sie nicht eros und Thanatos gesagt sondern „A positive, forming part of your personality, that wants to live and be healthy and another part wanting to destroy all this and manifests in your self harming and the eating disorder…“ Aus meinem tiefen Hass gegenüber all things freudian erwuchs dann ein „How positively Freudian of me“ auf dass sie mit einem Lacken geantwortet hat. Ich weiß nicht, warum ich dem Kind an der Stelle einen Namen geben musste aber es ging irgendwie nicht anders.
Zwischendrin verliere ich den Kontakt zur Realität um mich herum. Ich weiß nicht, was in der Zeit passiert ist und warum zur Hölle erinnere ich mich momentan generell an so wenig?!
Irgendwann zwischendrin erzähle ich von dem Post auf Reddit und wie ich kaum mit den Antworten umgehen kann. Ich habe ihr später einen Link zum post geschickt und sie wollte sich den gestern durchlesen. Keine Ahnung ob sie das wirklich gemacht hat aber egal.
Das eigentlich schockierende war das Ende, vorsorglich habe ich mir im sitzen meinen Mantel angezogen und den Schal umgemacht und einfach generell so viel wie möglich „vorbereitet“.
Beim Aufstehen schwanke ich einen Moment. Normalerweise gibt sich das aber irgendwie geht es gar nicht. ich kann einfach nicht mehr. Also stehe ich für einen kurzen Moment wie ein neugeborenes Kalb im Raum und ihre Frage zu meiner Grenze vor einer möglichen Einweisung wird mir schmerzlich Bewusst.
Sie sagt ich soll ein Päckchen Zucker in meine Handtasche Packen, oder Schokolade, damit ich nicht umfalle. Sie ist besorgt und mit dem Versprechen, mir auf dem Weg zur uni was zu holen kann ich sie grade so besänftigen.
Am Montag habe ich also ein Päckchen Belvita Schokokekse gegessen und eine Portion Curry mit Tofu.
Auf dem Weg zum einkaufen musste ich an der Praxis vorbei und ich bin mir ziemlich sicher, sie an einer der Kreuzungen zu spät gesehen zu haben, während ich angepisst und mit geballter Faust gruselig durch die Gegend gelaufen bin. Ich hoffe einfach, dass es eine andere Frau war und ich zu schlecht gesehen habe, über meine Aggressionsprobleme mag ich dann nämlich doch nicht reden. Warum auch.

Und: Habe altered carbon geschaut. Viel Tod, viel Blut, viel Folter, zwei Penisse und viel nackte Haut. Nichts davon „bewegt“ mich. Bin wohl emotional abgestumpft.

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21/02/18 wtf brain?

Bin grade weinend aufgewacht. In meinen Träumen hat sie mir für alles verziehen, war nett und hat sich an mich gekuschelt. Das ganze war quasi eine best of Compilation der Momente in denen sie mir nicht weh getan hat und oh mein Gott… Ich will sie nicht zurück, aber dieses Idealbild würde ich schon nehmen.

Nach dem aufwachen das Handy in die Hand nehmen um ihr zu schreiben und feststellen, dass der Chat archiviert und sie blockiert ist macht nach solchen träumen auch keinen Spaß. Ich mag mein Hirn nicht mehr.

Noch ein Traum mehr, den ich niemals nach jung analysiert sehen möchte.

Beitrag zur Therapie kommt später.

16/02/18 Chaos. Therapie?

es ist etwas her, dass ich das letzte mal gepostet habe und das hat auch seinen Grund – bei mir ist alles grade absolut furchtbar chaotisch, während ich daheim war ist alles irgendwie schlimmer geworden.
Die Heizung in meinem Zimmer ist kaputt und wird nachts furchtbar warm, ich schlafe schlecht, bekomme Albträume und alles wird kacke. Die Zeit war allgemein schwierig, aber das hat alles noch etwas schlimmer gemacht.

Nachdem ich grade bei meine Freund war hat meine Mutter angerufen, dass ich zurück kommen müsse um eine Angelegenheit beim Notar zu regeln. Es war ja nicht so als wäre ich eine Woche lang da gewesen und hätte das dann machen können.
Mein Freund ist mitgekommen, wir haben das geregelt und waren danach essen. Ich habe mir am ende einen Nachtisch mit meiner Mutter geteilt, kommentar meines vaters, nachdem ich exakt die Hälfte gegessen habe „Dafür, dass du keinen Nachtisch haben wolltest hast du aber schon  ziemlich viel davon gegessen.“ Einfach trocken in den Raum. Super. Seitdem wird mir jedes mal beim essen absolut übel. Hab schon gedacht ich wär schwanger aber nein.
Im Nachhinein hat sich rausgestellt, dass mein Vater das ganze eingefädelt hat. Er wusste, dass die unterlagen, die er mir gegeben hat nicht reichen. Dem Notar hat er erzählt ich hätte am Montag keine Zeit gehabt, mir, dass der Notar da nicht kann. Einfach um mich nochmal vier Stunden Bahn fahren zu lassen.

Die Therapie letzte Woche war super chaotisch. Ich habe keine Ahnung mehr, was ich gesagt habe, ich weiß nur, dass ich unglaublich sauer war. Es war alles zu viel und zu nah und einfach zu kacke. Geschafft haben wir wahrscheinlich nichts und gesprochen habe ich wenig, noch weniger zum Thema.

Am Ende war ich vollkommen fertig und bin mehr oder weniger gut aus der Tür gekommen. Zur uni bin ich nicht mehr gegangen. Es war einfach zu viel.
Ich hoffe, dass all das jetzt besser wird. Wenn nicht weiß ich auch nicht mehr weiter.

Auf anraten meines Freundes habe ich meine Situation mal in einem passenden subreddit geschildert, den Beitrag findet ihr hier. Ich bin immer noch schockiert über die antworten. Anscheinend habe ich keine Ahnung, was normal ist und was nicht.

31/01/18 Therapie. Fuck Freud.

Das Wochenende über bin ich nicht wirklich zum lernen gekommen. Der Selbsthass hat sich zusammen mit der Depression am Samstag zurück in mein Leben geschlichen und beiden hat es so gut gefallen, dass sie sich überlegt haben, doch gleich ein bisschen zu bleiben. Der Therapietermin am Montag, nicht einmal eine Woche nach dem letzten wirkt plötzlich nicht mehr ganz so lächerlich sondern wird zum einzigen, dass mich weitermachen lässt.
Samstag verbringe ich mit Netflix und Keksen und drei Kannen tee und hoffe, dass es irgendwie besser wird. Sonntag der versuch zumindest ein bisschen zu lernen und Montag geht es dann zumindest ein wenig besser.
Die Vorteile eines Termins am frühen Nachmittag sind am selben Tag irgendwie weniger ersichtlich. Vor allem um zwei. Warum überhaupt aufstehen und an den Schreibtisch setzten, wenn ich mich um eins sowieso fertig machen muss… Und zwischendrin noch was essen und überhaupt…
Mitten in der Examensphase habe ich wie immer nichts anzuziehen, gleichzeitig bin ich super fertig und nichts fühlt sich richtig an. Am Ende wird es ein Graues, figurbetontes Jerseykleid mit docs. Dressing for battle und so weiter.
Auf dem weg zur Therapie schneit es, kleine dünne Flocken, alles ist glatt und die LKWs auf dem weg zum Hafen schicken das Wasser von Pfützen 3m in die höhe.
Im Aufzug steigt im letzten Moment noch ein nach Alkohol riechender Russe zu. Ich merke zu spät, wie viel zu nah er kommt, von seinem Parfüm wird mir schlecht.
Als ich ankomme telefoniert sie. Die Frau am anderen Ende der Leitung klingt als wäre sie alt, zumindest ist sie laut. Ich verliere mich einen kleinen Moment zwischen den Worten, die ich verstehe und dem ganzen Rest, der irgendwie über mich drüber fließt…
Nachdem ich erklärt habe wo mein Problem liegt und wie wenig ich mich konzentrieren kann.  Überlegt sie einen Moment und bietet zwei Varianten für die nächsten 30 Minuten an. Entweder die high risk Variante, alles anzusprechen und zu hoffen, dass wie vor zwei Wochen dadurch alles weg geht, oder einfach verschiedene coping mechanisms durchgehen.
Ich entscheide mich für Variante 1 und hoffe, dass es was wird. Coping mechanisms kenne ich zur genüge und alles was ich probiert habe wollte nicht wirklich funktionieren…

„So what exactly is your main Problem right now?“
„I can’t put it into words. I#m sorry, I tried…“
„Well… You said you hate yourself, maybe we start with that. Why do you hate yourself?“

Beim Versuch es in Worte zu fassen kommen mir schon die Tränen. Ich versuche mehrfach den Gedanken auszusprechen, der durch meinen kopf spukt und es geht einfach nicht.

„I’m just not enough. No matter what I do, I’m never enough…“

Und nach mehreren Erklärungsversuchen versteht sie es dann endlich und redet über internalisiertes Verhalten anderer. Auf die Frage, von wem ich diesen Gedanken übernommen habe muss ich beinahe lachen, weil die Antwort zu pathetisch ist.
Wir reden über die Beziehung zu meinen Eltern und es ist so klassisch freudsch, dass ich beinahe brechen möchte.

„But there are so many things you’re good at. According to what you told me you’re good at your studies, you’re good at baking and cooking and…“
„Would you please just stop it?! Fucks sake…“

Ich weiß nicht warum aber ich kann es nicht aushalten, wenn man mir etwas nettes sagt. Ich kann es nicht. Es ist physisch schmerzhaft und versetzt mich in absolute, blanke Panik.

„What was too much?“
„Everything. Just never do that again, please. Never.“
„I can’t promise that.“

Und an der Stelle werde ich irgendwie sauer. Warum zur Hölle ist es so schwierig, von solchem verhalten Abstand zu nehmen und einfach nicht mehr aus dem nichts komische Komplimente zu machen? Wie schwer kann das bitte sein?

Wir sprechen über die Art, wie ich jegliche Nette Aussage über mich direkt Abfange, gar nicht erst als Wahrheit annehmen kann und quasi automatisch Gegenargumente finde. Wenn meine wahrgenommene Realität und die Aussage einer anderen Person so weit auseinandergehen kann ich dem anderen einfach nicht glauben. Warum auch.

„So… Do you think I’m lying?“
„Not necessarily, but I don’t believe a word of what you said earlier. I just can’t“
„So you don’t really trust me in that regard?“
„I don’t trust you. period. Doesn’t really depend on the topic, to be honest.“
„Why not if I’m allowed to ask? Is it because of something that happened during our sessions or…?“
„I just don’t trust anyone. Why should I? I tried that and it fucked me over way too often, so why should I try it again… I’m just not that stupid…“

Ich muss ehrlich sagen, dass mich ihre pseudovertändnissvolle Antwort und das Angebot mit ihr Vertrauen zu „üben“ fast noch mehr aufregt als alles andere. Warum sollte ich und was zur Hölle soll das bitte bringen?

Am ende verlasse ich mehr oder weniger Fluchtartig die Praxis nachdem ich ihr erklärt habe, dass ich vermutlich nie wieder kommen werde. Sie weiß einfach zu viel und ich vertraue ihr zu wenig. Einen Termin am 12. gibt es aber ich weiß nicht, ob ich hingehen werde.
An der Hautür stelle ich fest, dass ich meinen Schal vergessen habe. Als sie die Tür aufmacht sieht sie erschreckt aus, tritt instinktiv zwei Schritte zurück und fängt sich erst relativ spät wieder.
Noch ein Grund, nie wieder zu ihr zu gehen. Habe keine Lust, Leuten mehr angst als nötig zu machen…

30/01/18 Physikum 

Ich habe ab heute endlich mein Physikum. Die letzte Prüfung heute morgen mit 1.7 bestanden. Etwas nervig, weil ich sonst auf 1.3 stand und gerne die gute Note behalten hätte aber ich glaube das ist schon meckern auf hohem Niveau. 

Die Wohnung ist aufgeräumt, der Koffer schon halb gepackt. Es geht um 20:20 Richtung Heimat. 

Über die Therapie gestern schreibe ich später. Wir haben Freud rauf und runter gespielt und ich hasse seinen Ansatz einfach wahnsinnig. Ein wenig hat es gebracht aber wenn ich ehrlich bin, dann will ich nie wieder hingehen. Das war alles etwas viel…